Menschen kommen und gehen, die Häuser bleiben

Etwas Besonderes sind im "Landl" die Hausnamen. Mir ist das ganz klar geworden, als ich beim Unterricht merkte, dass die Kinder von den Dörfern im Tal sich nicht beim Vornamen oder gar Familiennamen anreden, sondern beim Hausnamen. So ruft man nicht: "Christian!" sondern: "He, Gänsmo!" Die Sitte mit dem Hausnamen hat ihren Sinn: Einerseits ist es so, dass die Familiennamen der Hausbesitzer wechseln, das Haus aber bleibt weiterhin dasselbe. Zum anderen gibt es ja sehr viele Familien, die sich in wenige Namen teilen:
Haubner, Bachhofer, Pfindel, Heiselbetz, Dollinger usw. Da ist der Hausname wichtig, will man Verwechslungen vermeiden.
Viele Hausnamen gehen auf Vornamen zurück: Lippn (Philipp), Brosl (Ambrosius), usw. Manche entstanden aus Vornamenverdoppelung: Der Vater mag Johann geheißen haben, der Sohn Leonhard - daraus wurde der "Hanslidl", ähnlich mag es bei "Lippnpaul" und anderen gewesen sein.
Ein wichtiger Ursprung der Hausnamen sind dörfliche Berufe:
Wirt, Schneider. Weber. Biener (Büttner), Melwer (Mehlhänd1r) usw. Andere Hausnamen entstanden einfach auch aus der Lage des Hauses: De Ewern und Untern, (oben und unten), de Vedern und Hintern (vorne und hinten), auf der Platte stand das Haus des Plättel (Blädel) - oder kommt dieser Hausname von Flöter = armer Mensch? Wie bei vielen Ausdrücken der Umgangssprache im Landl wird man manche Hausnamen letztlich nicht erklären können.
Es bleiben Rätsel: Woher kommt der "Gockelbauer"? Mit dem Gockelhahn hat das nichts zu tun, der heißt ja im Landl "Geger". War das einmal ein Haus in dem "Gaukeln", einfache, schlechte Kerzen gemacht wurden? Oder stammt das Wort aus der Zeit wo man das "J" noch wie "G" sprach: Die "Gungen" - Jungen, das "Goua" - Jahr, und der Gockelbauer ursprünglich mit Vornamen Jockel hieß, und der Öllergockel auf einen Jockel, Sohn des Ulrich zurückgeht?
Interessant ist auch, dass in den Hausnamen inzwischen ausgestorbene Familiennamen sich erhalten haben, darunter auch die von österreichischen Exulanten, "Landlerkinder", die um ihres evangelischen Glaubens willen aus dem "Landl ob der Enns" vertrieben worden waren und hier eine neue Heimat gefunden hatten: Dorner, Triebl, Heider usw.
Hausnamen, die sind nicht erstarrte Geschichte, immer noch ist hier Bewegung; da gibt es Häuser, die den Hausnamen wechseln: Aus dem Torwartl ist inzwischen der Wurzinger geworden.
Zwar gibt es viele neu gebauten Häuser, die (noch) keinen eigenen Hausnamen tragen; aber hin und wieder kann man beobachten, dass etwas im Entstehen ist, wie etwa: Der Ewer- und der Unterkarl und ähnliche Wortbildungen.
Im Folgenden werden noch gebräuchliche oder erinnerliche Hausnamen aufgezählt, wobei nicht zuletzt über die Schreibweise mancher Namen gestritten werden kann.

 

Weiter zu: Vom Strom, Torwartl und andern mehr