Vom "Scharf Driwer" sein und vom Dorfhaus

Sitte und Brauchtum regelte den Alltag. So war in Kerkhofen noch bis vor kurzem eine bestimmte Art des Grüßens üblich und Sitte:
Traf man sich im Dorf, so rief man sich zu: "Bist fleißig?" Am Feld draußen lautete das anders: "Bist scharf driwer". Waren zwei im Gespräch miteinander vertieft, störte man nicht und ging vorbei mit dem Gruß: "Habts an guaten Rat!" Bis vor kurzem gab es in den Dörfern des Landl noch ein interessantes Brauchtum: Die jungen Leute trafen sich abends im "Dorfhaus". Das war, wechselnd je eine Familie, die ihre Wohnstube für die Jugend öffnete. Da kam man zusammen, sang, strickte, tanzte und spielte - besonders beliebt dabei das Schinkenpatschen.
Da sprach man über Tagesneuigkeiten, was dieser und jene getan haben, über Gott und die Welt.
Vielleicht auch vom "Nochtgeger", der den Kindern zusetzte, die nicht rechtzeitig am Abend heim kamen. Anderswo besorgte das der "Wouzabär", beides Tiere, die zoologisch in die Familie der Datzelwürmer, der Wolpertinger, Kreischeerl gehören, oder wie immer diese sagenhaften Wesen heißen. Vielleicht redete man auch vom Jakob, einer halb zahmen Dohle aus Sulzbürg, die sich mit Lauten, ähnlich Kindergeschrei herumtrieb, Glitzerndes verschleppte, frisch gesetzte Pflänzlein aus der Erde zog, ganz schmerzhaft zuhackte.
Die Kinder aber liebten Jakob und er sie auch. Mir spielte er den Streich, dass er mitten während der Konfirmandenstunde auf dem Fensterbrett landete, ans Fenster klopfte und so alle meine Bemühungen zunichte machte, einen geregelten Unterricht zu halten. Dann plötzlich war er verschwunden. Man rätselte herum: Hat ein böser Bub ihm den Hals umgedreht? Ist er altersschwach irgendwo verendet? Oder stimmt es gar, dass er in einer Zisterne ertrunken ist?

 

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