Vom Rauchen vor der Kirche und von dreierlei Hauben

Zurück zu den Sitten und Gebräuchen. Interessant ist es da in den Aufzeichnungen aus früheren Zeiten nachzuforschen.
So lesen wir vom Beginn dieses Jahrhunderts, wie es um den Gottesdienst stand:
So war es beim Heiligen Abendmahl üblich, dass man zuerst auf der einen Seite des Altars kniete und den Leib Christi empfing, dann zog man hinter dem Altar zur anderen Seite um dort den Kelch zu empfangen. Man war auch gewohnt, dass man bei Gottesdiensten mit Feier des Heiligen Abendmahles nach dem Wortteil des Gottesdienstes mit Segen entlassen wurde (außer bei der Konfirmation), Interessant ist, dass aus jenen Zeiten berichtet wird, dass die älteren Gemeindeglieder, im Gegensatz zu den jüngeren, sich nicht besonders an der Abendmahlsliturgie beteiligten. Stilles Gebet beim Betreten und Verlassen der Kirche war üblich. Die Gemeinde beteiligte sich lebhaft am Kirchengesang: etwa 75 Melodien konnten damals gut gesungen werden.
Zum Klingelbeuteltragen waren die jüngst verheirateten Männer verpflichtet, und zwar ein Jahr lang nach dem Termin ihrer Trauung. 
An gewöhnlichen Sonntagen wurden zwei, an Festtagen und Abendmahlsgottesdiensten vier Altarkerzen angezündet.
Aber nicht nur von guten Sitten und Brauchtum wird berichtet. So wird im Zusammenhang mit dem Gottesdienstbesuch in der Schlosskirche über die Unpünktlichkeit geklagt: "...die alte, immer noch nicht ganz beseitigte Unsitte. dass mehrere verheiratete Männer vom Tal oft erst um 1/2 10 Uhr nach dem Vorgottesdienst zur Kirche kommen und dass Burschen vom Tal, selbst wenn sie schon um 9 Uhr vor der Schlosskirche angekommen sind, bis nach Beendigung des Vorgottesdienstes plaudern, auch rauchen und erst beim Gesang des Hauptliedes sich in die Kirche begeben."
Bemerkenswert ist auch die Gottesdiensttracht der Männer etwa ums Jahr 1880: Kurze, lederne Hosen, weiße Strümpfe, kurze Stiefel und lange schwarze Röcke. Die Frauen hatten dreierlei Kopfhauben: eine für gewöhnliche, eine für Trauergottesdienste, eine für Fest- und Abendmahlsgottesdienste.

 

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