Vom Dodenweck und Preiselbeerzweigen

Besonderes Brauchtum prägte die groben Ereignisse im Leben:
In den früheren Zeiten mit kinderreichen Familien und einer hohen Kindersterblichkeit wurden die häufigen Taufen in der Regel nicht groß gefeiert. Es gab aber einige Ordnungen:
Erst um die Jahrhundertwende wurden die vorher üblichen Haustaufen durch Taufen in der Kirche abgelöst. Diese fanden am Nachmittag ohne Kirchengesang statt. Bei der Taufe unehelicher Kinder wurde nicht geläutet. Beider Vorbereitung ging es so zu: Eheliche Kinder wurden vom Vater, uneheliche von der Hebamme zur Taufe angemeldet.
Eine Aussegnung der Mütter war unüblich. Dafür kamen die Wöchnerinnen in der nächsten Wochenbetstunde zum ersten Mal wieder in die Kirche. Bei der Taufe waren dabei: Die Eltern, die Hebamme, der Pfarrer und der Mesner, sowie der Pate oder die Patin. Bei verheirateten Paten waren Mann und Frau zugegen.
Das Patenamt beschränkte sich in der Regel neben einem Geldgeschenk, das bei der Taufe in das Taufkissen gelegt wurde auf den alljährlichen "Dodenweck", ein Gebäck das einem Kipf ähnlich war mit einer Schneckenform oben. Diese Gabe wurde am Reformationsfest überreicht.
Auch die Konfirmation hatte ihre festen Regeln:
Ein Konfirmandeneinführungsgottesdienst war nicht üblich. Bei der Konfirmation zogen die Konfirmanden mit dem Pfarrer vom Pfarrhaus zur Schlosskirche. Im Gottesdienst sangen sie das Lied "Von des Himmels Thron..." Auf dem Taufstein brannte für jeden Konfirmanden eine Kerze. Am Abendmahl nahmen bei der Konfirmation nur die Konfirmanden teil.
1880 waren bei den Konfirmanden noch lange Röcke üblich. Um 1900 herum trugen sie bereits Joppen. Die Konfirmanden hatten schwarze Hüte als Kopfbedeckung, die Konfirmandinnen künstliche Kränze. Die Konfirmanden schmückten die Kirche selbst: Die Mädchen banden Girlanden und Kränze aus Preiselbeerzweigen, die Knaben brachten Nadelbäume und stellten sie in und vor der Kirche auf. Die Gräber von verstorbenen Altersgenossen wurden mit Kränzen geschmückt.

Auch bei der Konfirmation war manches eingeschlichen, was den Pfarrern zum Dorn im Auge wurde: Besonders die Feierlichkeiten zu Hause schienen nicht mehr sehr geistlich zu verlaufen. Pfarrer von Lossow begegnete dem so, dass er die Konfirmanden an ihrem Festtag Nachmittags zu einem Spaziergang in die Umgebung von Sulzbürg einlud, weil er bemerkt hatte: "dass die Konfirmanden mit ihren Eltern in den Wirtshäusern Sulzbürgs saßen, Bier tranken, zum Teil auch im Übermaß und zusahen, wie ihre Väter karteten."
 

 

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