Von der eingesperrten Braut und Kranzeljungfer mit Zitrone

Gerade um die Hochzeit rankte sich ein Kranz van Sitten und Gebräuchen:
Der Haupthochzeitstag war der Dienstag. Das geht wohl auf das Brauchtum der Juden zurück, denn bei ihnen fanden die Hochzeiten am dritten Tag der Woche statt (Johannes 2.1). Der Grund dafür war, dass es in der Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1) nur vom Dienstag zweimal heißt: "Und Gott sah, dass es gut war". Das hielt man für ein doppelt gutes Omen, je eines für Braut und Bräutigam. Der Dienstag heißt im Landl Erta. Das mit ihm verbundene Hochzeitsbrauchtum führte zur volkstümlichen Deutung des Namens "Erta" aus "Ehetag". In Wirklichkeit freilich leitet sich diese Bezeichnung aus "Marstag" ab.
Es gab im Landl eine feste Ordnung: Die Trauungen "Unbescholtener" wurden am Dienstag um 13 Uhr, die übrigen am Sonntagnachmittag nach der Betstunde gehalten. Im Laufe der Zeiten hatte sich das aber generell so gewandelt, dass am Dienstag Hochzeitstag der Begüterten war: die Ärmeren heirateten am Sonntag. 
Die Hochzeitspredigt erfolgt von der Kanzel. Altarreden wurden selten verlangt. Altarschmuck fehlte bei Trauungen, höchstens waren die gestifteten Kerzen mit rosafarbenen Bändern geschmückt. Braut und Bräutigam trugen ein Rosmarinzweigchen an der Brust, "unbescholtene" Bräute einen Kranz auf dem Kopf. Ein Ringwechsel war nicht üblich. 
Am Tag vor der Hochzeit fuhr der hoch aufgetürmte Kammerwagen vor: an die Nachbarschaft wurde Brot verteilt. Wenn der Hochzeitszug das Haus verlassen hatte, wurde es von Freunden verschlossen. 
Zur Kirche gingen Braut und Bräutigam getrennt: Voran zog der Bräutigam mit zwei "Beiständen", dahinter die Braut mit zwei "Kranzljungfrauen". Der Mesner hatte drei Sträuße an der ersten Bank angebracht, die ins Hochzeitshaus genommen wurden. Nach der Einsegnung legte eine "Kranzljungfer" eine Zitrone (oder dafür ein Geldstück), einen Rosmarinstängel und ein seidenes Tüchlein für den Pfarrer auf den Altar. 
Beim Verlassen der Kirche wurde die Braut von den Schülern der letzten Klasse "eingesperrt" und musste sich freikaufen. 
Wie beim Zug zur Kirche ging es zum Hochzeitshaus, nur wurde diesmal der Bräutigam vom Pfarrer und Mesner begleitet. Vor dem Haus wurde den Brautleuten ein Trunk dargeboten: dabei suchte die Braut möglichst schnell, als erste ins Haus zu kommen. Während des Hochzeitsmahles saßen Braut und Bräutigam getrennt in zwei Ecken des Raumes. 
Bei Einbruch der Dunkelheit begann das "Über den Tisch Schenken": wobei Verwandte, Nachbarn und Freunde ihre Geschenke überreichten. Dabei wurde noch oft das Fenster geöffnet, dass die Zuschauer draußen die Pracht der Gaben bewundern konnten. 

 

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