Von seltnen Kranzspenden und vom Loadtüachl

Reich war auch Sitte und Brauchtum um Tod und Begräbnis. Läuten in der Todesstunde und eine Aussegnung der Leichen war nicht üblich. Die Beerdigung von Erwachsenen begann um 13 Uhr mit Zug des Pfarrers, des Kantors zusammen mit den Singschülern von der Kirche zum Trauerhaus und von dort zum Friedhof.
In Kruppach hielt man es dabei so: Die Sargträger eilten dem Leichenzug voraus, um die Tragbahre in einiger Entfernung von Rocksdorf an der Straße aufzustellen. Dort erwarteten, sie dann den Leichenzug. Nachdem sie den Sarg vom Wagen genommen hatten, musste der Kutscher die Pferde zu möglichst schneller Fahrt antreiben, dass alles Stroh, auf dem der Sarg gestanden hatte davon wehte. Je mehr das gelang desto mehr galt es als gutes Zeichen.
Zuerst war immer die Beerdigung und anschließend daran der Trauergottesdienst in der Kirche. Dabei wurde in der Regel eine Predigt gehalten. "Leseleichen", das heißt Beerdigungen mit einer formelhaft vorgelesenen "Vermahnung" wurden sehr selten begehrt.
Nach der Beerdigung fanden sich vor dem Trauerhaus der Kreuzträger und der Knecht ein, der den Sarg gefahren hatten, um ein Trinkgeld zu erhalten.
Der früher übliche Leichentrunk heißt es, sei um die Jahrhundertwende abgeschafft worden, scheint aber bald wieder üblich geworden zu sein.
Kranzspenden waren äußerst selten. Höchstens wurden "tote" Kränze auf das Grab gelegt, die später wieder von den Angehörigen im Haus aufbewahrt wurden. War ein Kind verstorben, so war die Beerdigung ohne Grabrede. Die Beerdigung von Kindern unter 6 Jahren fand beim Zwölfuhr-Mittagsläuten statt. Der Kindersarg wurde von der Leichenfrau getragen, mitunter in einem Korb auf dem Rücken. Selbstmörder, deren Selbstmord keine Entschuldigung fand, wurden ohne kirchliche Handlung in einer Ecke des Friedhofs begraben.
Ältere aus dem Landl erinnern sich noch an einen seltsamen Brauch: So sei es früher bei Beerdigungen üblich gewesen, wenn man zum Kreis der Angehörigen gehörte, ein Loadtüachl zu tragen. Das war ein weißes Leinentüchlein in der Größe eines Schnupftuches, das man aufgerollt in der Hand hielt.

Alte Landkarte
Bayernkarte von Philipp Apian (Ausschnitt)

 

Verantwort1ich: Pfr. Rudolf Kießling. Herausgegeben im Februar 1992
Kiliandruck Nürnberg